Das Wichtigste in Kürze

90% der Informationen werden an Bildschirmarbeitsplätzen über die Augen aufgenommen. Dabei wird nur ein kleiner Ausschnitt der Fähigkeiten und Wahrnehmungsbereiche des Sehens genutzt. Das führt zu einer Vereinseitigung des Sehens. Was macht das Sehen so belastend?

  • Die Dauer der Augenbelastung (Stunden)
  • Einseitiger riesiger Umfang der Informationsaufnahme über die Augen
  • Hohe einseitige Blickwechselraten
  • Hochfrequente Anpassungsleistungen
  • Extrem lange Seharbeit in einer bestimmten Entfernung
  • Einschränkung der visuellen Wahrnehmung auf wenige Bereiche

Das Sehen am Bildschirm ist eine Höchstleistung, die ohne Ausgleich oder durch eine nicht optimale Augenergonomie Folgen hat. Fachleute sprechen bei den Auswirkungen auf unser Sehvermögen inzwischen vom „Office-Eye-Syndrom“.

Bildschirmarbeit fordert Höchstleistung

bis 30.000 Blickwechsel /Tag

17.000 Pupillenreaktionen /Tag

 

Office-Eye-Syndrom

  • trockene Augen
  • verminderte Sehleistung
  • Kopfschmerzen
  • Verspannungen
  • Müdigkeit, Gefühl der Erschöpfung
  • Beeinträchtigte Ausdauer und Konzentration

Möchten Sie wissen, ob Ihre Augen durch die Bildschirmarbeit einer erhöhten Belastung ausgesetzt sind, dann füllen Sie den Fragebogen aus.

Kommen Sie dabei auf mehr als zwei Beschwerden, ist Ihr Sehsystem überfordert. Hier empfiehlt sich eine arbeitsplatzbezogene Sehschulung: Sehen verbessern - Wohlbefinden steigern

 

Um eine Idee von der Komplexität des Sehens zu bekommen, lade ich Sie auf einen „Sehspaziergang“ ein:

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Straßencafe. Es ist Sommer und es gibt nichts für Sie zu tun, außer die nächsten 15 Minuten zu überbrücken. Sie möchten dann passend zu einem Termin aufbrechen. Ohne darüber nachzudenken, schweift ihr Blick ziellos über die Umgebung, die vor Ihnen liegt. Sie nehmen umliegende Geschäfte wahr, verfolgen unbewusst eine ältere Frau mit ihrem Hund, die sich von Ihnen entfernt. Dabei kommt die Getränkekarte in Ihren Blick und Sie entschließen sich, kurz zu prüfen, ob dieses Cafe Ihren Lieblingstee anbietet. Während Sie auf der Karte die Teesorten durchlesen, bemerken Sie in Ihrem Blickfeld links, dass sich ein Fahrzeug nähert. Sofort schauen Sie auf, um zu prüfen, ob Sie Recht haben. Warum kommt hier ein Auto in die Innenstadt? Sie erkennen schnell, dass es ein Hochzeitswagen ist. Ihnen fällt die nahegelegene Kirche ein und Sie schauen auf den Fahrer, der Ihnen unbekannt ist, aber in Ihre Richtung winkt! Sie schauen sich um, um zu prüfen, ob sein Winken Ihnen galt. Nein, eine junge Frau, festlich gekleidet, eilt heran. Aber warum geht sie so merkwürdig? Ihr Blick wandert zu der Ursache: einem abgebrochenen Absatz!

Sie verfolgen die Frau, bis sie in den Wagen steigt und samt Fahrer Richtung Kirche verschwindet. Ein kurzer Blick auf die Uhr, um die verbleibende Zeit einzuschätzen. Es bleiben noch 10 Minuten. Rechts neben Ihnen setzt sich eine Mutter mit ihrem Kind an den Tisch. Der fröhlich bunte Pullover des Kindes ist blau abgesetzt und passt ganz wunderbar zu der Augenfarbe des Mädchens. …

 

Unsere Augen sind dafür geschaffen, uns optimal in unserer Umgebung zurecht zu finden. Dadurch können wir angemessen auf unsere Umwelt reagieren. Damit diese Sinnesorgane leistungsfähig sind, verfügen sie über eine anatomisch sinnvolle Ausstattung. Verschiedene Funktionen, die die Augen lernen müssen, befähigen uns, unseren Sinn auf einen Reiz optimal einzustellen. Dabei ist es physiologisch, dass die Sehanforderung, genau wie in dem "Sehspaziergang", ständig wechselt. Außerdem braucht es noch eine gut geschulte Wahrnehmungsverarbeitung (Erfahrungen) im Gehirn. Erst dadurch bringen die Bilder Sinn.

Sitzen Sie als Frau in dem Cafe, ist Ihnen wahrscheinlich das Kleid besonders aufgefallen und die ausgesprochen gut dazu passenden Schuhe. Sitzen Sie als Mann in dem Cafe und beobachten das Geschehen, dann haben Sie beim Sehen wahrscheinlich eher erfasst, dass der Brautwagen ein Oldtimer war, ein Wikov! Hier wird deutlich, dass unsere Vorlieben und Vorerfahrungen Einfluss auf unser Sehen nehmen.

 

Zum Vergleich:

Auch unsere Ohren sind als Sinnesorgan sehr leistungsfähig. Dazu muss anatomisch/medizinisch jeder Baustein vorhanden sein, wie z.B. ein einwandfreies Trommelfell. Jeder Baustein des Organs muss seine Funktionen leisten können und der Mensch sollte gelernt haben, mit dem Hörsinn, den dazugehörenden Funktionen und den gewonnenen Informationen umzugehen. Also für unser Beispiel - zu hören. Im Alltag hören wir ständig wechselnde Geräusche. Das Gehör nutzt dadurch die ganze Spannbreite seines Könnens und erhält damit die ganze Leistungsbreite. Was würde passieren, wenn wir die Ohren über Stunden, Tage und Jahre nur noch einer bestimmten Hör-Anforderung aussetzen?

Beim Sehen entsteht eine solche einseitige Belastung durch die stundenlange Arbeit am Bildschirm.

Oben im Feld „Wichtiges in Kürze“ wurde aufgezeigt, welche Faktoren das Sehen am Bildschirm so belastend und einseitig machen.

Bei den Fachleute wird bei den Folgen solch einer Höchstleistung vom „Office-Eye-Syndrom“ gesprochen.

Je natürlicher der Gebrauch der Sinnesorgane ist, je mehr allgemeine Funktionen gebraucht werden, um so weniger belastend ist es für den Sinn und um so höher und ausdauernder ist seine Leistungsfähigkeit.

Dagegen wirkt sich eine Vereinseitigung des Sehens über längere Zeit auf die umfassenden Fähigkeiten des Sehsinnes aus. Wenn Sie verstehen, wo die belastenden Faktoren am Bildschirm sind, können Sie durch geeignete Maßnahmen die einseitige Anforderung ausgleichen. Dann sind Sie in der Lage, Ihre hohe Leistungsfähigkeit und Ausdauer im Sehen zu erhalten und Sie setzen auf Prävention.

Download PDF Studie "Arbeit und Sehen" - 4,7 mb

 

Sehen am Bildschirm
Schule für Sehverhalten und visuelle Wahrnehmung

Regina Prieß
rp@sehenambildschirm.de

Hahler Straße 49  • 32427 Minden

T 0571 - 889 15 96

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